Der Reichskanzler hielt am 7. Oktober 1889 mithilfe eines Edinsonschen Phonographen seine Stimme für die Nachwelt fest
Mehr als ein Jahrhundert galten die wohl einzig jemals gemachten Aufnahmen der Stimme von Otto von Bismarck (1815 bis 1898) als verschollen. Nun ist das historische Tondokument aufgetaucht, berichtet "Spiegel Online" am Dienstag.
In seinem letzten Jahr im Amt als Reichskanzler, am 7. Oktober 1889, hielt Otto von Bismarck mithilfe eines Edinsonschen Phonographen seine Stimme für die Nachwelt fest. Nach den Aufnahmen verschwanden die etwa klopapierrollengroßen Wachswalzen unter dem Bett von Thomas Alva Edison. Erst 1957 entdeckten die Nachlassverwalter die Holzkiste mit den Aufnahmen in der Bibliothek Edisons und ließen den Fund, die sie für unbedeutend hielten, im Archiv verschwinden. Dort hat sie nun der deutsche Wissenschafter Stephan Puille gemeinsam mit US-Kollegen wiedergefunden.
Die Aufnahmen sind teilweise sehr leise und ohne Lesevorlage ist das Gesprochene kaum zu verstehen. Bismarck begann seine "Rede" mit dem damals in den USA populären Volkslied "In Good Old Colony Times". Er zitierte dann aus dem Studentenlied "Gaudeamus igitur" und gab zum Schluss eine Ermahnung an seinen Sohn.
Der von Bismarck gesprochene Text lautet so:In good old colony times,
When we lived under the King,
Three roguish chaps fell into mishaps
Because they could not sing.
[Als] Kaiser Rotbart lobesam
Zum heil'gen Land gezogen kam,
Da mußt er mit dem frommen Heer
Durch ein Gebirge wüst und leer.
Gaudeamus igitur,
juvenes dum sumus.
Post jucundam juventutem,
post molestam senectutem
nos habebit humus.
Allons enfants de la Patrie
Le j our de gloire est arrivé
Contre nous de la tyrannie
L'étendard sanglant est levé.
Treibe alles in Maßen und Sittlichkeit, namentlich das Arbeiten, dann aber auch das Essen,
und im Übrigen gerade auch das Trinken.
Rat eines Vaters an seinen Sohn.
Gruß Arne